Das Handlungsprogramm

Der Elfte Kinder- und Jugendbericht forderte programmatisch ein „Aufwachsen in öffentlicher Verantwortung“. Ausdruck dieser zunehmend wieder erweitert verstandenen Verantwortung für das Aufwachsen von Kindern, ist die Forderung nach konkreten Maßnahmen und Programmen. Insbesondere gilt das für Kinder und Familien in sozial benachteiligten Lebensverhältnissen.

Öffentliche Verantwortung für das Aufwachsen von Kindern wahrzunehmen erfordert aber neben Projekten und Angeboten eine vertiefte Auseinandersetzung mit den unterschiedlichen sozialen Realitäten, Lebenslagen, Lebenswelten und Milieus von Familien und Kindern. Denn diese bilden den Rahmen für das Aufwachsen; Lebensbedingungen und soziale Lagen beeinflussen Erziehungs- und Bildungsprozesse – nicht nur in Familien – und damit Entwicklungschancen.

Kindertageseinrichtungen sind angesichts der Forderung, Chancengerechtigkeit zu befördern, gehalten, sensibel zu sein für die konkrete Lebenssituation von Kindern, deren Ressourcen und Begrenzungen. Pädagogisches Handeln orientiert sich an der Förderung des einzelnen Kindes, zielt aber auch auf eine Verknüpfung von Lebens- und Lernwelten in Kindertagesstätte und Familie. Das gelingt nicht allein durch Förderangebote etc. Ebenso müssen bestehende Selbstverständnisse, Handlungsformen, Konzepte und Institutionalisierungsformen von Kindertageseinrichtungen kritisch reflektiert und bedarfsgerecht weiter entwickelt werden.

Im Rahmen des Dresdner Handlungsprogramms „Aufwachsen in sozialer Verantwortung“ werden von den Teams in 32 Kindertageseinrichtungen entsprechende Konzepte, Maßnahmen und Angebote entwickelt und in die Praxis umgesetzt. Kern und Ziel des Handlungsprogramms ist die Initiierung eines mehrschichtigen Prozesses, bei dem es darum geht

  • die pädagogische Arbeit mit den Kindern sensibel an deren sozialen Lebenshintergrund auszurichten, bedarfsangemessene Förderangebote zu entwickeln und im natürlichen Alltag der Einrichtungen zu verankern;
  • Unterstützungssysteme für Kinder und deren Familien in prekären, belasteten, benachteiligenden Lebenssituationen in der Kindertagesstätte sowie in Kooperation und Vernetzung mit Akteuren im sozialen Umfeld zu etablieren;
  • neue Formen der Kombination von bedarfsgerechten kinder- und jugendhilflichen Leistungen mit dem Regelangebot von Kindertagesstätten aufzubauen und die dafür erforderlichen Schnittstellen auszugestalten.

Erster Ansatzpunkt des Projektes ist die Reflexion der pädagogischen Arbeit in den Einrichtungen und ihrer Rahmenbedingungen sowie die Erfassung von Bedarfslagen auf Seiten der Kinder und Familien. Es geht darum, die Chancen, die Kindertagesstätten durch ihren natürlichen Zugang für Kinder und Familien haben, zu nutzen für eine erweitert verstandene pädagogische Förderung des Aufwachsens und der Bildung von Kindern. Die Prävention von Entwicklungsrisiken sowie die Bearbeitung bereits eingetretener Schwierigkeiten und Probleme bilden dabei wichtige Schwerpunkte.

Das Ziel des Projektes besteht jedoch darin, den sozialpolitischen Auftrag von Kindertageseinrichtungen in ihr fachlich-konzeptionelles Gesamtprofil zu integrieren. Es geht also nicht allein um spezielle und damit potenziell stigmatisierende Förderangebote und Unterstützungsstrukturen für sozial benachteiligte Kinder und deren Familien. Bedarfsangemessene Konzepte und Handlungsansätze sind ebenso Gegenstand der Entwicklungsarbeit wie die fachlichen Kompetenzen, Arbeitsweisen und pädagogischen Grundhaltungen der Teams in den Kindertagesstätten.

Unterstützt werden die Einrichtungen in diesem Prozess durch zusätzliche personelle oder zeitliche Ressourcen, wie bspw. eine/n sozialpädagogische/n Mitarbeiter/in, oder auch durch zusätzliche Verfügungs- und Reflexionszeiten für die pädagogischen Mitarbeiter/innen. Die Kindertagesstätten werden des Weiteren durch das Kompetenz- und Beratungszentrum „Aufwachsen in sozialer Verantwortung“ beim Zentrum für Forschung, Weiterbildung und Entwicklung gGmbH an der Evangelischen Hochschule Dresden begleitet.